Qualität- Anthropogene Stressoren und deren Einfluss auf die Grundwasserfauna

Grundwasserökosysteme beherbergen vielfältige tierische und mikrobielle Gemeinschaften. Obwohl nur wenig über diese Ökosysteme bekannt ist, steht fest, dass biologische Prozesse für die Erhaltung und Verbesserung der Grundwasserqualität unabdingbar sind. Eine gute Grundwasserqualität ist für die Gewährleistung des Zugangs zu sauberem Wasser weltweit von entscheidender Bedeutung.

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Die EU-Wasserrahmenrichtlinie bietet einen Rechtsrahmen für die Bewirtschaftung des Grundwassers, einschließlich Maßnahmen zur Bewertung und Überwachung seiner Qualität. Die derzeitigen Überwachungsmaßnahmen stützen sich jedoch fast ausschließlich auf physikalisch-chemische Indikatoren und sind daher noch nicht in der Lage, den ökologischen Zustand von Grundwasserökosystemen und ihre Anfälligkeit für potenzielle Stressoren zu bewerten.

Ökologische Indikatoren, welche auf der Analyse von Tiergemeinschaften beruhen, erwiesen sich für die Bewertung natürlicher und anthropogener Einflüsse als nützlich. Bei Grundwasserarten handelt es sich häufig um endemische Arten, welche sehr empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren. Daher spiegeln Veränderungen in der Zusammensetzung und Diversität der Lebensgemeinschaften langfristig veränderte Umweltbedingungen wider. Grundwasserarten sind demnach wertvolle ökologische Indikatoren für die Bewertung der Grundwasserqualität, jedoch auch vulnerabel und anfällig für anthropogen verursachte Belastungen. Es ist von entscheidender Bedeutung, einen integrierten Ansatz zur Bewertung der Vulnerabilität dieser Ökosysteme zu entwickeln, welcher biotische und abiotische Indizes kombiniert, wie es bereits für Flüsse und Seen praktiziert wird.

Vergrößerte Aufnahme von grundwasserbewohnenden Copepoden. Foto: Anne Jäger – Universität Koblenz-Landau

Zu diesem Zweck arbeitet der Schwerpunktbereich “Qualität” an der Entwicklung ökologischer Indikatoren zur Bewertung der Qualität von Grundwasserökosystemen und möglichen Auswirkungen anthropogener Stressoren. Dies geschieht durch die Untersuchung von Artengemeinschaften der Grundwasserökosysteme in verschiedenen räumlichen und zeitlichen Skalen in drei europäischen Fallstudien. Die ökologischen Indikatoren werden nach einem inter- und transdisziplinären Forschungsansatz auf ihre Anwendbarkeit getestet. Der Schwerpunktbereich “Qualität” möchte zur Erweiterung des wissenschaftlichen Verständnisses von Grundwasserökosystemen beitragen, was für deren Schutz von entscheidender Bedeutung ist. Darüber hinaus wird angestrebt, dieses ökologische Wissen (wieder) in Prozesse des gegenseitigen Lernens und in die Umweltmanagementpraxis im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu integrieren.

Kontakt

Anne Jäger
Universität Koblenz-Landau

jaegera@uni-landau.de

PD Dr. Hans-Jürgen Hahn
Universität Koblenz-Landau

Dr. Robert Lütkemeier
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung /
Goethe Universität Frankfurt